2011: Eine Reise durch die Mark Brandenburg – preußische Geschichte in malerischer Landschaft

Erster Tag, Freitag, 09. September 2011
Die Reise des Heimatvereins startet um 6.30 Uhr bei der Firma Mietrach, weiter geht es zum ZOB, bis in Sievershütten die letzten Teilnehmer zusteigen. Über die A 21, B 404 fahren wir zur A 24. Nach einer Frühstücksrast bei Neustadt-Glewe erreichen wir bald das Havelland mit dem Berliner Ring und damit die Mark Brandenburg. Um die Mittagszeit sind wir im Ziegeleipark in Mildenberg (Nähe Gransee).


Alte Ziegelei Mildenberg

Dort erwartet uns eine Führung mit dem Thema „Wie ein Ziegelstein entsteht – traditionelle Produktion zur Gründerzeit“. Sehr anschaulich wird erklärt, wie man aus dem Ton, der in der Umgebung abgebaut wurde, manuell Ziegelsteine herstellte. Dabei wurde auch deutlich, wie hart die Arbeit an den einzelnen Stationen war und weshalb die Menschen im Durchschnitt nur 47 Jahre alt wurden. Nach dieser Führung folgte eine „Ziegeleibahnrundfahrt“, die einen Überblick über den Ziegeleipark bot, in dem noch weitere Themenführungen stattfinden. Hier hat man nach der Wende eine Art Industriedenkmal geschaffen, um die Geschichte dieser sog. „Tonstichlandschaft“ zu erhalten.


Ziegeltrockenplatz

Nun waren es nur noch ca. 40 km zu unserem sehr schön an einem See gelegenen Hotel in Grünplan in der Nähe von Rheinsberg.

Zweiter Tag, Sonnabend, 10. September 2011
Auf dem Plan stand Rheinsberg. Zuerst lernen wir bei einer interessanten Führung die Altstadt dieser preußischen Kleinstadt mit 5.000 Einwohnern kennen. Theodor Fontane beschrieb den Ort in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Kurt Tucholsky machte weiter Reklame mit seinem „Bilderbuch für Verliebte“. Beide Dichter wurden durch Straßennamen geehrt.


Orgel in der St. Laurentiuskirche

Nach kurzer Pause folgte eine Kirchen- und Orgelführung in der St. Laurentiuskirche. Der Kantor erklärte zunächst einige Besonderheiten am Bau der Kirche, dann erzählte er die Geschichte der alten und der neuen Orgel. Wir durften mit auf die Orgelempore, wo er die verschiedenen Klangmöglichkeiten bei der Orgel demonstrierte. Er spielte Choräle zum Mitsingen und viele kleine Stücke von Buxtehude über Bach bis hin zum Jazz. Man merkte ihm die Freude an der Musik an. Später lasen wir in der Zeitung, dass sein 70. Geburtstag bevorstand und mit einem Konzert gefeiert werden sollte, in dem auch eine Komposition von ihm aufgeführt werden sollte. Da die Gemeinde nach seiner Pensionierung keinen Nachfolger fand, machte er den Dienst seit 5 Jahren ehrenamtlich. Nach einer Mittagspause trafen wir uns zur nächsten Besichtigung am Schloss. König Friedrich II. hat als Kronprinz vier un-beschwerte Jahre auf Schloss Rheinsberg verbracht, das in dieser Zeit zum Treffpunkt vieler Geistesgrößen wurde. Nach seiner Thronbesteigung schenkte er das Schloss seinem jüngeren Bruder Heinrich, der 50 Jahre auf Schloss Rheinberg lebte und andere Akzente setzte. Während Friedrich II. die Musik liebte, förderte Heinrich das Theater.


Schloss Rheinsberg

Nach kurzer Erholung zum Kaffeetrinken folgte eine Führung in einer Keramikwerkstatt, die zu den drei ältesten in Deutschland gehört. Dem Besitzer merkte man den Stolz auf seine Produkte –zweimal gebranntes Steinzeug– an. Die Firma liefert sogar Teekannen nach England. Im angrenzenden Laden konnte man die verschiedenen Dekore bewundern und kaufen.

Dritter Tag, Sonntag, 11. September 2011
Wir fuhren nach Neuruppin. Diesmal waren die schönen Alleen am Rand mit herrlichen Altweibersommer-Spinnenweben verziert. Der örtliche Stadtführer empfing uns im Kostüm mit Dreispitz. Er stellte einen Baumeister aus Neuruppins Geschichte dar. Die Führung begann im Tempelgarten und war sehr interessant. Neuruppin war wichtig als Garnisonsstadt und hat seit dieser Zeit noch schöne breite Straßen. Das Denkmal zu Ehren des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel sahen wir, ebenso das Geburtshaus Theodor Fontanes. Schräg gegenüber stand das ehemalige Geschäftshaus eines berühmten Neuruppiners, nämlich Gustav Kühn. Er erfand zur Beginn des 19. Jahrhunderts den „Neuruppiner Bilderbogen“. Die Blätter mit witzigen Texten und kolorierten Zeichnungen fanden reißenden Absatz. Sie gelten als Vorläufer der heutigen Illustrierten.


Neuruppiner Bilderbogen

Nach dem Mittagessen konnten wir bei einer Schifffahrt auf dem Neuruppiner See die Stadt vom Wasser aus genießen, eine Erholung für unsere Füße. Auf dem Weg zu unserem Hotel fand unser Busfahrer wieder eine neue Strecke, auf der wir vor allem die lichten Wälder bewundern konnten. Teile davon gehören zur Deutschen Alleenstraße. Da wir diesmal etwas früher im Hotel waren, saßen viele eine Weile auf der schönen Hotelterrasse, bis uns ein Gewitter mit heftigem Regen vertrieb.

Vierter Tag, Montag, 12. September 2011
Der letzte Tag ist der Landeshauptstadt Potsdam gewidmet. Unser Stadtführer, ein studierter Geschichtler und Kunsthistoriker mit enormem Wissen, begleitete uns auf einer dreistündigen Stadtrundfahrt in unserem Bus. Wir beginnen mit einem Spaziergang im Park von Schloss Sanssouci. Unser Reiseleiter erzählt uns viel über die preußische Geschichte und über die Baugeschichte des Schlosses, die durchaus nicht ohne Sorgen verlief und oft zum Zerwürfnis zwischen dem Bauherrn und seinem Architekten, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, führte. Dass Friedrich II. oft seinen Willen durchsetzte, hat ihn viel Geld gekostet. Wir standen auch an seinem Grab, wo er endlich an seinem Wunschplatz, neben seinen Hunden, die letzte Ruhe gefunden hat.


Gruppenaufnahme vor dem Schloss Sanssouci

Auf langsamer Fahrt durch die Stadt sehen wir einige Schlösser, italienische Villen, die russische Alexandrowka-Siedlung und schließlich das Schloss Cecilienhof im neuen Garten. Wir konnten das Fachwerkhaus im Stil englischer Landsitze zwar nur von außen sehen, aber unser Stadtführer ließ sehr plastisch die Geschichte nach dem II. Weltkrieg wieder aufleben, die hier mit dem Potsdamer Abkommen 1945 ihren Abschluss fand. Die Führung endete am Bassinplatz an der St. Peter- und Paul-Kirche am Beginn der Brandenburger Straße. Die zwei Stunden Freizeit nutzten die meisten zu einem Bummel durch die Fußgängerzone bis zum Brandenburger Tor. Die Potsdamer sind sehr stolz auf dieses Tor, zumal es 20 Jahre älter als das Berliner Brandenburger Tor ist. Am Abend trafen wir uns in einem abgeteilten Raum zum Abschlussabend. Herr Köfer hatte eine kleine Liedersammlung zusammengestellt, aus der wir einige Lieder sangen. Herr Steenbuck präsentierte per Laptop und Beamer eine Bilderauswahl der vergangenen Tage. Zwischen den Liedern trugen einige Teilnehmer Gedichte oder Geschichten auf Platt vor.

Fünfter Tag, Dienstag, 13. September 2011, Heimreise
Ehe wir Brandenburg verlassen, fahren wir zum Gut Hesterberg in Neuruppin-Lichtenberg. Das Haupthaus, auf das man auf einer neu gepflanzten Allee zufährt, erinnern an Häuser in der Toskana. Auf einem Rundgang erzählte uns Frau Hesterberg ausführlich, wie sie und ihr inzwischen verstorbener Mann den Gutshof aufgebaut haben. Sie kamen nach der Wende mit einer Herde Galloway-Rinder in das damals platte Land. Inzwischen gehören noch Rotwild, Schweine, Gänse und Hühner dazu. Schlachtung, Fleisch- und Wurstherstellung finden auf dem Gutshof statt; der Verkauf geht in Berliner Filialen und im Hofladen vonstatten. Inzwischen sind auch Sohn und Tochter nach passendem Studium mit eingestiegen. Das Konzept, Lebensmittel aus artgerechter Haltung zu liefern, funktioniert.


Galloway-Rinder auf Gut Hesterberg

Wir prüften die Qualität bei einem leckeren Spanferkelessen und später zu Hause an den eingekauften Eiern und Wurstwaren. Dann ging es in zügiger Fahrt nach Hause. Um ca. 17.30 Uhr waren wir wieder in Bad Segeberg.

ELFRIEDE THIERBACH
Fotos: Ernst Steenbuck

2011: Ausflug zur Landesgartenschau

Unser Ausflug am 5. Juli 2011 führte nach Norderstedt in die frische Park- und Gartenlandschaft der Landesgartenschau. Wir hatten dort ausgiebig Gelegenheit, das weite, 72 ha umfassende Seepark-, Waldpark- und Feldparkgebiet zu durchwandern. Die rund 10 km lange Wegstrecke zwischen der Seefläche, den Hügeln, den Wiesen sowie den Baum- und Buschflächen, vor allem aber zahlreichen bunt leuchtenden Blumen- und Staudenbeeten bietet eine farbenprächtige Landschaftsvielfalt. Alter Baum- und Buschbestand ist durch große Neuanpflanzungen ergänzt, und die Freiflächen sind mit vielen individuellen Blumen-Themenfeldern gärtnerisch kreativ gestaltet worden. Für einen ersten Eindruck von der Gesamtschau nutzten einige Teilnehmer eine Fahrt mit dem Elfen-Express, der Landesgartenschau-Bahn, andere besuchten auch die in einer Halle des Schaugeländes stattfindende Ausstellung mit Werken des österreichischen Künstlers Friedrich Hundertwasser. Wir erlebten in Norderstedt einen schönen Tag mit reichlich Natur und sehenswerter Kunst.

Blumenfeld im Feldpark

Text: Klaus Stegemann

2011: Unter Reetdächern, in alten Straßen, in frischer Park- und Gartenlandschaft

Am 28. Mai 2011 begannen wir unsere diesjährigen Ausfahrten. Die erste Tagestour führte uns über die Elbe hinaus in die Harburger Berge und dort in das Freilichtmuseum Kiekeberg. In den Vormittagsstunden spazierten wir durch das mit zahlreichen reetgedeckten Bauernhäusern, da-zugehörenden Nebengebäuden, Tagelöhnerkaten und Werkstätten besetzte sowie mit land-wirtschaftlichen Flächen und Gärten durchzogene Museumsdorf. Bauen und Wohnen, Landwirtschaft und Landtechnik, Handwerk und Gewerbe, Nahrung und Genussmittel, Spielen und Spielzeug sind die Schwerpunkte der Museumsarbeit. Das alles zeigt sich deutlich in den alten Gebäuden mit interessanten Ausstattungen und im Freiland. Manch einem fiel dabei auch eine Nissenhütte, eine aus Wellblech tunnelartig geformte und nur mit einem “Kanonenofen“ bestückte Notunterkunft aus der II. Weltkriegs- und Nachkriegszeit auf. Diese dünnwandigen, primitiven Unterkünfte dienten damals Ausgebombten und Vertriebenen eine Zeit lang als Wohnungen; heutzutage kaum noch vorstellbar. Man braucht schon seine Zeit zur Erkundung der Siedlung, wenn sie in ihrer Ausdehnung im Vergleich mit dem Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel auch enger begrenzt ist. Unseren eindrucksvollen morgendlichen Aufenthalt beendeten wir mit einem reichlichen und handfesten Mittagessen, einer „Bratkartoffel-Tafel“ im Museumsgasthof “Stoof Mudders Kroog“.


Pringen Hof mit historischem Bauerngarten

Nach anschließender knapp einstündiger Busfahrt erreichten wir gegen 14.15 Uhr das Nachmittagsziel, die alte Salz- und Hansestadt Lüneburg. Auf einem Rundgang wurden wir über alte Straßen durch das schöne Altstadtzentrum mit seinen ehrwürdigen Bürgerhäusern, teils im Fachwerkstil mit kunstvollen Giebeln und in rotem Backstein gehalten, geführt und gelangten dabei zu dem die Stadt durchfließenden Fluss Ilmenau sowie zu dem kleinen Hafenbecken mit dem Kranhaus. In vergangenen Zeiten fand hier das Be- und Entladen der Flussschiffe mit Handelswaren, vor allem mit dem in der Stadt gewonnenen Salz statt. Im Stadtbild ist insbesondere das in der langen Vergangenheit immer wieder erweiterte und insofern nun verwinkelt und verschachtelt wirkende barocke Rathaus bewundernswert, dessen hübsche Fassade im Foto festgehalten ist.


Rathaus Lüneburg

Lüneburg ist mit rd. 62.000 Einwohnern eine lebendige Geschäfts- und Handelsstadt. Die Stadt ist Hauptstadt des Regierungsbezirks Lüneburg, die auch der umliegenden Heide-Landschaft ihren Namen gab. Sie ist Sitz zahlreicher Behörden und Gerichtsinstanzen sowie Universitätsstandort. In der Stadt wurde sehr lange Zeit reichlich Salz abgebaut, wobei es zu Unterhöhlungen des Gebiets kam; diese sind noch heute als Absenkungen in alten Straßen erkennbar. Übrigens gibt es in Lüneburg - wie in unserer Kreisstadt Bad Segeberg - einen Kalkberg. Die folgenden individuellen Spaziergänge wurden noch zum gemütlichen Kaffeeschmaus genutzt. Wir trafen - durch den schönen Sachsenwald gefahren - nach einem erlebnisreichen Tag in den Abendstunden wieder in Bad Segeberg ein.

Klaus Stegemann

2010: In holsteinischen Städten und Gemeinden

Die Tagesausflüge 2010 des Heimatvereins führten in die sehenswürdigen holsteinischen Städte Rendsburg, Büdelsdorf und Eutin sowie in die Gemeinde Bordesholm mit ihren schönen Umgebungen. Am 23. April waren Rendsburg und Büdelsdorf unsere Ziele. Auf der Fahrt dorthin - bei heiterem Himmel und unter weitestgehendem Verzicht auf Autobahnstrecken - konnten wir aus dem Reisebus heraus frische Frühlingslandschaften genießen. Wir erreichten Rendsburg durch den Kanaltunnel, der bei einer Länge von 1.278 m und einer Tiefe von 15 m unter der Wasseroberfläche des Nord-Ostsee-Kanals in die Stadt hineinführt. Auf dem historischen Paradeplatz wurden wir von Stadtführern erwartet, die uns bei einem Rundgang durch den alten Stadtkern der inzwischen über 800 Jahre alten Kreisstadt ausführlich informierten. Der großflächige Paradeplatz ist von alten stattlichen Militär- und Verwaltungsgebäuden umgeben. Die von ihm ausgehenden Straßen erinnern an die einstmalige Dänenherrschaft; sie sind seinerzeit entsprechend der Tischordnung der Kopenhagener Hoftafel geordnet und benannt worden: König-, Königin-, Prinzen-, Prinzessin-, Kronprinz-, Baron-, Grafen- und Ritterstraße. Am Rande des Platzes steht das Denkmal des Vorkämpfers der schleswig-holsteinischen Erhebung (1848) Uwe Jens Lornsen. Die Erhebung war auf die Trennung Schleswig-Holsteins von Dänemark ausgerichtet. In der ehemaligen stark mit Militär besetzten Garnisonsstadt (seit 1665) sind heutzutage Soldaten nicht mehr stationiert. Nach dem Stadt- und Skulpturenpark und vorbeigehend am neuen Rathaus erreichten wir das eindrucksvolle Stadttheater am Jungfernstieg. Auf schmalen Straßen gelangten wir auf den Altstädter Markt mit dem Alten Rathaus aus dem Jahre 1566. Das fachwerkliche backsteinerne Amtsgebäude ist im Laufe der Jahrhunderte in fast allen Teilen erneuert worden. Die Vorderfront mit den beiden Treppengiebeln ist zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts restauriert worden. Das darin enthaltene Glockenspiel stammt aus neuerer Zeit. Im ersten Stock des Hauses befinden sich die teilweise holzgetäfelten Sitzungsräume der Ratsversammlung und des Senats (ehemals Bürgermeisterzimmer). Diverse Malereien aus dem 18. Jahrhundert mit Rendsburger Stadtansichten und Landschaften schmücken die Räume. Unser Weg führte anschließend noch in die nebenan stehende St. Marienkirche. Sie ist das älteste Bauwerk der Stadt (1287). Im Innern birgt sie eine schöne Kanzel, einen wunderbaren Barock-Altar sowie zahlreiche Gemälde und Kunstwerke aus verschiedenen Jahrhunderten. Zum Mittagessen fanden wir uns in den ‚Brückenterrassen‘ im Kreishafen direkt an der Eisenbahnhochbrücke (dem Wahrzeichen Rendsburgs) ein. Diese Brücke ist eines der bedeutendsten Stahlbauwerke der Welt. 1913 wurde die Brücke mit einer Gesamtlänge von 7,5 km sowie einer Durchfahrtshöhe von 42 in über dem Fahrwasser fertig gestellt. Unter dem Brückenteil über dem Kanal hängt an Drahtseilen eine Schwebefähre, die den Kanal ständig hin und her überquer. Seit 1996 existiert zudem eine Schiffsbegrüßungsanlage, die die vorüberziehenden Schiffe mit ihrer Nationalhymne begrüßt. Wir konnten vorn Rande des Kanals neben Segelbooten erfreulicherweise auch in Richtung Brunsbüttel fahrende, hochbeladene Containerschiffe betrachten. Diese Riesen setzten uns beim Unterqueren der Hochbrücke ins Erstaunen. Mit einer kurzen Anfahrt ging es dann nahtios von Rendsburg nach Büdelsdorf, einer kleinen Stadt mit rd. 10500 Einwohnern. Hier besuchten wir das Eisenkunstgußmuseum, das uns mit seiner Sammlung von Ofenplatten, Etagenöfen, Gebrauchskunst, sakralen Gegenständen, Mobiliar und filigranem Schmuck sehr interessierte und Bewunderung auslöste - eine sehenswerte Schau. Den Abschluss unserer schönen Tour genossen wir bei einer Kaffeetafel im Landgasthof ‚Groß Vollstedt, ein paar Kilometer südlich vor Rendsburg gelegen.

Einer für den 12. Juni früh angesetzten Abfahrzeit verdankten wir die landschaftlich schöne Anfahrt nach Eutin. Über die Orte Gnissau und Ahrensbök durchfuhren wir mit unserem Bus anschließend einen süd-östlichen Teil des Kreises Ostholstein, um dann durch das Kurgebiet Pönitzer See in die Rosenstadt Eutin zu gelangen. Die über 750 Jahre alte Stadt, Kreisstadt Ostholsteins mit ca. 17.000 Einwohnern, gehört zu den bedeutendsten kulturellen Zentren Schleswig- Holsteins. Nicht jedem von uns war bekannt, dass Eutin auch als „Weimar des Nordens“ bezeichnet wird. Um 1800 ließen sich dort zahlreich Philosophen und Maler (z.B. Johann Heinrich Voß, Johann Heinrich Tischbein) sowie Dichter (z.B. Graf Friedrich Leopold zu Stolberg), Theologen und Baumeister nieder). Der Stadt berühmtester Sohn war jedoch der Komponist und Schriftsteller Carl Maria von Weber (1786 in Eutin geboren, 1826 in London gestorben). Seine berühmten Opern „Der Freischütz“ und „Oberon“ werden gelegentlich der jährlich auf der direkt am Großen Eutiner See gelegenen Freilichtbühne immer wieder aufgeführt; dieses Jahr läuft die 60. Spielzeit. Das Altstadtbild, geprägt durch enge Straßen mit Rosenstöcken vor Fachwerk- häusern, wurde uns bei einem geführten Rundgang und während einer kleinen Stadtrundfahrt vermittelt. Unser Weg führte vorbei am Geburtshaus des Carl Maria von Weber, einem heutigen Cafe-Haus, am Herzoglichen Witwen-Palais und den ehemaligen Hofapotheken hinauf in den Wochenmarktbetrieb auf dem Marktplatz. Der Rundgang endete mit der Besichtigung der St. Michaelis-Kirche, Dieser Backsteinbau aus dem 13. Jahrhundert überzeugt durch seine norddeutsche schlichte Schönheit. Das helle Innere beherbergt wertvolle sakrale Gegenstände, wie Leuchter, Taufbecken, Altarbilder, hölzerne und steinerne Grabdenkmäler sowie in der gotischen Kapelle den von einem einstmals ansässigen Hoftischlermeister gefertigten Altar. Farbige, sehr leuchtstarke Bildfenster runden schließlich die Sehenswürdigkeit des kompakten Kirchbaues ab. Nach dem Mittagessen im Restaurant „Alte Mühle“ wurden wir fachkundig durch das backsteinerne Eutiner Schloss begleitet. Dieser am Beginn eines früheren barocken, um 1790 zu einem englischen Landschaftsgarten umgestalteten Gelände und in unmittelbarer Nähe des Großen Eutiner Sees gelegene Gebäudekomplex ist beeindruckend. Als ehemalige Residenz der Fürstbischöfe von Lübeck und späteres Wohnschloss der Großherzöge von Oldenburg, auch zeitweilig vom dänischen König Christian VI. bewohnt, vermittelt es deutlich einen Eindruck herrschaftlicher Wohnkultur. In renovierten großzügigen Räumen gibt es wertvolle Gemälde, Gobelins, seidene Wandbespannungen, Kachelöfen und Mobiliar früherer Zeiten zu bewundern. Eine erholsame Fahrt mit dem Motorschiff „Freischütz“ auf dem Großen Eutiner See bei Kaffee und Kuchen und mit freiem Blick auf die Fasaneninsel und die Liebesinsel sowie mit Sicht auf breite Uferwiesen, Waldumrandungen und auf verstreute kleine Ansiedlungen beschloss unseren Ausflug in sehr hübsche Landschaften der Holsteinischen Schweiz.

Und am 4. August ging es per Bus zunächst hinaus in die freie Natur. Das zwischen Neumünster und Bordesholm, östlich des Einfelder Sees gelegene Dosenmoor war unser morgendliches Ziel. Unter fachkundiger Führung erwanderten wir auf schmalen ausgetretenen und stellenweise noch nachgiebigen Pfaden eine reizvolle Moorlandschaft. Dieses größte und am besten erhaltene Hochmoor Schleswig-Holsteins ist von einem km-langen Wegenetz durchzogen. Nach der 1977 beendeten Torfgewinnung regeneriert sich das rd. 521 ha große Gebiet, das eine artenreiche Pflanzenwelt aufweist. Wie wir erfuhren, zeigt sich die Tierwelt dort allerdings eher „artenarm“. Nach ca. zweistündigem Aufenthalt im Moor nahmen wir das Mittagessen in dem gemütlichen reetgedeckten Gasthof „Schanze am See“ am Einfelder See ein. Der Nachmittag begann mit der Fahrt nach Bordesholm zum Besuch der schon vor dem Ort weithin sichtbaren gotischen backsteinernen Klosterkirche am Bordesholmer See. Mit ihrem Bau wurde um 1327 begonnen. Ihre jetzige Größe erhielt sie nach zwei Erweiterungen erst um das Jahr 1500. Das seinerzeitige Kloster wurde um 1330 nach dem Umzug des Augustiner Chorherrenstifts von Neumünster gegründet. In der Kirche befinden sich mehrere Grabdenkmäler, Grüfte, das Chorgestühl, Kapellenräume und ein Barockaltar. Der einstmals dort vorhandene „Bordesholmer Altar“ (BrüggemannAltar) wurde schon 1666 in den Schleswiger Dom überführt. Mit einem Kuchen- und Kaffeegenuss im Cafe Seeblick, Mühbrook, beendeten wir eine uns wiederum beeindruckende Ausfahrt. Die „Bildungserlebnisse“ unserer Ausflüge ins Mittel- und Ostholsteinische werden allen Teilnehmern sicherlich in guter Erinnerung bleiben.
(Klaus Stegemann)

2010 - Münster

Westfälischer Friede – Wasserschlösser – Wildpferde
Reise des Heimatvereins nach Münster vom 08. bis 12. Sept. 2010

1. Tag:
Um 6.30 Uhr verlässt unser Bus den Hof Mietrach. Am ZOB in Bad Segeberg und in Sievershütten steigen noch einige Fahrgäste ein. Danach kann Klaus Stegemann alle 46 Teilnehmer der Reise begrüßen. Unterwegs gibt es ein schönes Frühstücksbuffet. So kommen wir gut gestärkt in Osnabrück an. Wir haben drei Stunden Zeit, uns einige Sehenswürdigkeiten anzusehen. Zuerst lockt der spätromanische Dom, dann folgt die Marienkirche, eine gotische, heute evangelische Hallenkirche.

Foto: Rathaus Osnabrück

Das Rathaus mit dem Friedenssaal, wo 1648 der Westfälische Friede verkündet wurde, ist natürlich unser wichtigstes Ziel und eine gute Einstimmung auf Münster. Es reicht noch zu einem kleinen Spaziergang zu den Resten der ehemaligen Stadtmauer, dann ist die Zeit vorbei. Pünktlich geht es auf die letzten 50 km nach Münster. Vor dem Abendessen haben wir noch ausreichend Zeit, uns zu erholen und die Zimmer im Hotel zu beziehen.

2. Tag:
Für den Aufenthalt in Münster haben wir einen sehr kompetenten Stadtführer, der unsere Unternehmungen begleitet. Zuerst lernen wir auf einem kurzen Altstadt-Rundgang die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kennen, wie Prinzipalmarkt, Rathaus, Lambertkirche und Dom von außen, dann folgt eine Stadtrundfahrt um die Altstadt herum. Wir erfahren viel Interessantes über Bauten, Einrichtungen und Persönlichkeiten, die in Münster gelebt und gewirkt haben. Am Nachmittag können wir privat die Eindrücke vertiefen und einige Gebäude von innen ansehen. Im Dom, in der Lambertkirche und im Friedenssaal des Rathauses trifft man viele Teilnehmer wieder. Im Friedenssaal gibt es sogar eine akustische Führung, die uns mit der 2. Stadt des Westfälischen Friedens bekannt macht.

3. Tag:
Der heutige Tag ist den Wasserburgen gewidmet. Das Münsterland ist bekannt für seine über 100 Wasserschlösser. Wir haben drei sehr schöne Beispiele ausgewählt.


Foto: Burg Vischering

Wir fahren zuerst nach Lüdinghausen zur Burg Vischering, die wohl meistfotografierte Burg des Landes. An ihr kann man das mittelalterliche System der Wall- und Grabenanlagen sehr gut erkennen. Die Hauptburg ist mit der Vorburg-Insel durch einen Holzsteg verbunden. Wir umrunden die Burg auf einem Ringwall, der früher noch von einem breiten Graben umgeben war.








Foto: Schloss Nordkirchen

Nach einer Stärkung im gemütlichen Cafe´ Indigo bringt uns der Bus zum Schloss Nordkirchen, eine offene dreiflügelige Anlage aus der Barockzeit, an der der berühmte westfälische Baumeister Johann Conrad Schlaun mitgewirkt hat. Während Vischering noch eine Wehrburg war, diente Nordkirchen der Repräsentation. Die Anlage wurde als drittes Schloss (nach Ahaus und Sassenberg) für den Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg gebaut. Er selbst hat die Vollendung nicht mehr erlebt. Modell für den Bau war das Schloss Versailles in Frankreich, und so nennt man Nordkirchen auch „Klein -Versailles“ oder das „westfälische Versailles“. Es macht einen prächtigen Eindruck, sowohl von außen als auch von innen. Der Blick von oben auf den Barockgarten ist einmalig. Die ganze Anlage ist heute im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen.


Foto: Schloss Westerwinkel

Von hier geht es weiter zum Schloss Westerwinkel, das zeitlich zwischen die anderen einzuordnen ist. Es ist eine geschlossene, vierflügelige Anlage, die von außen sehr wuchtig wirkt. Das Schloss ist im Besitz der Familie der Grafen von Merveldt und wird gelegentlich privat für Jagdgesellschaften genutzt. Die Inneneinrichtung ist sehr gemütlich. Nach Besichtigung dieser drei Schlösser sind alle ziemlich geschafft und dankbar für einen Kaffee am Bus.

4. Tag:
Gestern haben wir den Regenschirm schon nicht mehr gebraucht, heute scheint endlich die Sonne. Am Vormittag wollen wir uns mit Annette von Droste-Hülshoff beschäftigen und fahren zuerst zum Wasserschloss Hülshoff, wo sie am 10. Jan. 1797 geboren wurde und fast 30 Jahre ihres Lebens verbracht hat.

Foto: Schloss Hülshoff

Das zweiflügelige Herrenhaus von 1545 steht mitten im Wasser, umgeben von einem sehr gepflegten Park. Das Innere ist heute Museum, in dem man den Lebensstil von Annette und ihrer Familie nachempfinden kann. Nach dem Tod ihres Vaters übernahm ihr Bruder das Haus. Annette zog mit Mutter und Schwester nach Haus Rüschhaus, unser nächstes Ziel.










Foto: Haus Rüschhaus
Das Haus hat J.C. Schlaun 1745/48 für sich und seine Familie erbaut. Als Wohnsitz der Dichterin ist es berühmt geworden. Von vorn wirkt es wie ein westfälisches Bauernhaus (mit Platz für den Misthaufen), auf der Rückseite wie ein kleines Schloss mit Barockgarten. Im Erdgeschoss sind Küche, Stallungen, Wohnräume für Knechte und Mägde, im Obergeschoss gibt es einen Wohnraum mit verstecktem Wandaltar sowie Annettes Schlaf- und Arbeitszimmer. Von hier fahren wir nach Dülmen zur sog. Wildpferdebahn. Auf dem knapp vier Quadratkilometer großen Gelände des Merfelder Bruches leben 380 Wildpferde, und zwar Stuten mit Fohlen. Die Hengste werden im Mai herausgefangen und verkauft. Man findet hier uralte Pferderassen, wie Tarpan, Konik und das Przewalski-Pferd, die z.T. aus Rückzüchtungen stammen. Es ist dank des sonnigen Wetters sehr schön, die Herde zu beobachten, bis wir die Rückfahrt nach Münster antreten.

5. Tag:
Herr Baale, unser Fahrer, hat am Bus das Schild „nach Hause“ angebracht. Wir fahren über die deutsche Fachwerkstraße und später die Märchenstraße bis nach Verden an der Aller.

Foto: Dom in Verden
Hier machen wir eine längere Pause, die für Dombesichtigung, Altstadt-Rundgang und Mittagessen reicht. Dann geht es zügig in Richtung Autobahn; um 17.30 Uhr sind wir wieder in Bad Segeberg. Eine schöne Reise ist zu Ende.









Unsere Reisegruppe
Text: Elfriede Thierbach, Quellen der Fotos: Objektfotos aus www.wikipedia.org, Gruppenfoto von Hans Rahlf